Aus der Praxis

Um einen Einblick in meine Arbeit zu geben, habe ich hier ein paar generelle Informationen über meine manualtherapeutischen Möglichkeiten und zusätzlich ein paar Praxisbeispiele zusammengetragen. Sie bilden natürlich nur einen Auszug aus meinem Praxisalltag. Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern.

Was ist ein blockiertes Gelenk? Jeder Knochen im Körper hat eine physiologische biomechanische Bewegung. Das heißt, er hat eine oder mehrere Bewegungsebenen in denen er sich, im Verhältnis zu seinen Nachbarknochen, bewegen kann.

Ich als Therapeut kann diese Bewegungen testen und in Erfahrung bringen, ob eine Gelenkblockade vorliegt. Oft bedeutet das, der Knochen bewegt sich zwar in eine Richtung frei, in die andere allerdings gar nicht oder nur schlecht.
Dann habe ich verschiedene Techniken, diese Blockade aufzuheben. Allem voran sind hier chiropraktische Techniken die Handgriffe der Wahl. Es gibt aber natürlich auch sanftere Methoden, wenn die Chiropraktik oder parietale Osteopathie nicht angewandt werden kann. Mobilisierungen oder diverse indirekte osteopathische Techniken sind zum Beispiel weitere Möglichkeiten, eine blockiertes Gelenk zu lösen.

Eine Gelenkblockade ist natürlich nicht immer die Ursache des Problems, sondern oft die Folge eines Spannungsmusters. Zum Beispiel kann die Überspannung eines einseitig anliegenden Muskels eine Blockade verursachen. In diesem Falle werde ich auch die beteiligten myofaszialen Ketten mit in den Blick nehmen.

Eine sportliche 45-jährige Frau klagte über heftige Schmerzen im unteren Rücken. Sie hatte am Wochenende beim Umzug geholfen und dabei versucht, eine Waschmaschine seitlich zu verschieben. Seit diesem Moment spürte sie einen lokal einstechenden Schmerz im unteren Rücken und war in Ihrer Bewegung sofort stark eingeschränkt.
Bei meinen biomechanischen Tests fand ich eine deutliche Blockade des Iliosakralgenks (ISG) und des untersten Lendenwirbels. Safety Checks auf eventuelle Bandscheibenschädigungen waren unauffällig. Nachdem ich das umliegende Gewebe gelockert hatte, konnte ich einen chiropraktischen Handgriff einsetzen, um die Blockade wieder einzurenken und dem Gelenk seine Mobilität zurück zu geben. Die Dame war sofort schmerzfrei in allen Bewegungsebenen und konnte wieder ihrem Alltag nachgehen. Eine
In diesem Fall handelte es sich um eine isoliert zu betrachtende Blockade, wie es im Leben manchmal vorkommen kann. Wenn ich bei solchen Fällen eine auffällige Kette finde, die zu einer Schwäche der blockierten Region geführt haben kann, bestelle ich gern PatientInnen nach Abschluss der Akutphase erneut ein, um an der kompensatorischen Kette zu arbeiten und das System stabiler zu machen, damit solche Ereignisse nicht immer wieder auftreten.
In manchen Fällen heißt es aber auch einfach, Pech gehabt. Nicht jeder akute Schmerz muss eine komplexe Ursache haben und endlos behandelt werden.

Was ist eine myofasziale Kette?
In der Osteopathie betrachten wir selten die erhöhte Grundspannung eines Muskels isoliert. Unser Körper arbeitet in Bewegungseinheiten. Das bedeutet, das selbst bei den einfachsten Bewegungen, zum Beispiel dem Zubinden eines Schuhs, eine gesamte Kette von Muskeln, Bändern und Sehnen aktiv genutzt wird. In diesem Falle verläuft die gedehnte Kette von der Fußsohle über Wade und dem hinteren Oberschenkel, weiter über den gesamten Rücken bis zum Kopf.

Das Denken in Funktionseinheiten, die Kraftübertragung über Faszien in Ketten ist Grundlage osteopathischen Denkens und mittlerweile fast überall in der Körpertherapie etabliert.

Allerdings gibt es auch isoliert zu betrachtende Geschehen, zum Beispiel wenn jemand einen Sturz hatte und nun eine Entzündung oder eine Narbe in dem gleichen Areal hat, wo er/sie auch seine Schmerzen angibt. In diesem Fall muss nicht in Ketten therapiert werden, lokale Behandlung reicht dann oft aus.

 

Was ist eine myofasziale Kette?
In der Osteopathie betrachten wir selten die erhöhte Grundspannung eines Muskels isoliert. Unser Körper arbeitet in Bewegungseinheiten. Das bedeutet, das selbst bei den einfachsten Bewegungen, zum Beispiel dem Zubinden eines Schuhs, eine gesamte Kette von Muskeln, Bändern und Sehnen aktiv genutzt wird. In diesem Falle verläuft die gedehnte Kette von der Fußsohle über Wade und dem hinteren Oberschenkel, weiter über den gesamten Rücken bis zum Kopf.

Das Denken in Funktionseinheiten, die Kraftübertragung über Faszien in Ketten ist Grundlage osteopathischen Denkens und mittlerweile fast überall in der Körpertherapie etabliert.

Allerdings gibt es auch isoliert zu betrachtende Geschehen, zum Beispiel wenn jemand einen Sturz hatte und nun eine Entzündung oder eine Narbe in dem gleichen Areal hat, wo er/sie auch seine Schmerzen angibt. In diesem Fall muss nicht in Ketten therapiert werden, lokale Behandlung reicht dann oft aus.

Triggerpunkte sind ertastbare, schmerzhafte Veränderungen innerhalb eines Muskelbauchs. An der verhärteten Stelle sind die Muskelfasern dauerhaft leicht kontrahiert, was zur Folge hat, dass die Durchblutung an dieser Stelle reduziert ist und sich schmerzverstärkende Stoffe ansammeln.
Außerdem kann ein größerer Triggerpunkt oder mehrere Triggerpunkte im gleichen Muskel eine erhöhte Grundspannung in diesem Muskel verursachen.

Es ist also ein Teufelskreis, den ich therapeutisch durchbrechen möchte. Ziel ist es, die Durchblutung innerhalb des Triggerpunkts wieder anzuregen, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich dort selbst zu regenerieren. Größere Triggerpunkte können den gesamten Muskel ineffizient arbeiten lassen und ihn verspannen.

Ein 52-jähriger Mann klagte darüber, dass er seit mehreren Monaten Schmerzen im linken Schulter-Nacken Bereich hatte, begleitet von einseitigen Spannungskopfschmerzen.
Funktionelle Tests ergaben eine Rotationseinschränkung des Kopfes aufgrund eines stechenden Schmerzes im Bereich des linken Trapezmuskels.

Nachdem ich den schmerzhaften Bereich palpiert hatte, nutzte ich eine myofasziale Triggerpunkttechnik, um den schmerzenden Muskel zu entspannen und den Triggerpunkt zu lösen. Es handelte sich bei ihm um den Eintrittspunkt des Accessorius Nerven in den Trapezmuskel. Ein Triggerpunkt dort kann eine massive motorische Einschränkung des Schulterbereichs auslösen.

Nach wenigen Minuten konnte er seinen Kopf wieder schmerzfrei drehen. Als Hausaufgabe sollte er regelmäßig die wieder erlernte Bewegung ausführen. Zwei Tage lang hatte er ein Muskelkatergefühl in der linken Schulter, aber das Bewegungsausmaß der Kopfrotation blieb erhalten und die Schmerzen waren, nachdem der Muskelkater abgeklungen war, glücklicherweise komplett verschwunden.

In der funktionellen Betrachtung des
Körpers spielen Faszien eine essentielle Rolle.
Ihre Form und Struktur bestimmt maßgeblich die Funktion und Leistungsfähigkeit
Ihrer Umgebung. 
Um einen umgangssprachlich ‚verkürzten‘ Muskel
besser verstehen, können wir es so betrachten, dass die ihn
umschließende Faszie fester geworden ist. Sie ist also weniger
elastisch und bietet somit den Muskelfasern weniger Möglichkeit, zu
kontrahieren und sich innerhalb Ihrer faszialen Hülle auszudehnen.

Außerdem verändert sich die Form der Faszie so, dass die Längsausrichtung der Funktionseinheit von Muskel und Faszie gestört ist. Es entstehen sogenannte Crosslinks, die die Gleitfähigkeit verschlechtern. 
Betroffene von Verklebungen haben einen geringeren Bewegungsradius, Blockade- oder Spannungsgefühle und oft Schmerzen bei endgradigen Bewegungen.

Ursachen dafür sind Bewegungsmangel, aber auch eintönige Bewegungen oder Dehydration. Auch Vernarbungen können die Struktur der Faszien verändern und zu faszialen Verklebungen beitragen.

Ein 32-jähriger Mann kam zu mir in die Praxis, weil ihn seine Unterschenkel plagten. Er erzählte mir, dass er vor 6 Monaten mit dem Laufen begonnen und sich das Ziel gesetzt hatte, noch dieses Jahr an seinem ersten Marathon teilzunehmen. Allerdings hielten ihn seine Unterschenkel davon ab, intensiver zu trainieren. Ab ca 15 km joggen begann an der Vorderseite ein stechender Schmerz, der auch einen Kraftverlust nach sich zog und ihn zum pausieren zwang.
Bei der Untersuchung ließ sich der schmerzhafte Bereich auch gleichzeitig als verfestigt ertasten. Auf meine Nachfrage hin, hatte er dem Aufbau seines Trainings keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Er hatte sein Training sehr schnell gesteigert und keine weiteren aufbauenden Übungen gemacht.

Ich diagnostizierte sein Problem als ein funktionelles Kompartementsyndrom. Die Muskulatur des vorderen Unterschenkels hatte schnell an Masse zugenommen, um der neuen Belastung gerecht zu werden. Die umschließende Faszie konnte der inneliegenden Muskulatur allerdings gar nicht den Raum geben sich auszudehnen, da Faszien eine längere Adaptionsphase als Muskeln besitzen.
Infolge wurde der Muskel komprimiert und unterversorgt, Schmerzen und Kraftverlust stellten sich ein.
Die Therapie war eine Kombination aus Eigenübungen und Osteopathie. Zuerst mussten wir die Struktur der Faszie verändern, um der inneliegenden Muskulatur mehr Raum zu verschaffen. Dafür nutzte ich Techniken des Fasziendistorsionsmodells und klassische osteopathische Techniken. Ein wichtiger Fokus der ersten Behandlung lag darauf, den venösen und lypmhatischen Abfluss der angespannten Unterschenkelmuskulatur zu verbessern um einen rascheren Heilungsverlauf zu ermöglichen.
Der Patient bekam einige Hausaufgaben: regelmäßiges Rollen auf der Faszienrolle, dazu Eigenmassage und Reduktion der Laufstrecke bei zusätzlichem gezielten exzentrischem Krafttraining. Die empfohlenen Eigenübungen passten wir regelmäßig an.
Er hatte ‚zu schnell zu viel gewollt‘ und wir mussten erst der Struktur die Möglichkeit geben, sich an die neue Belastung anpassen.
Der Prozess zog sich 3 Monate hin und 12 Monate nach der Erstvorstellung in meiner Praxis lief er seinen ersten Marathon, schmerzfrei.

Eine nervale Reizung kann auftreten, wenn ein Nerv mechanisch überreizt wurde. Ein Nervenstrang wird von mehreren Bindegewebsschichten ummantelt, die als Gleitlager dienen.
Chronische Immobilität (zu viel sitzen, zu wenig Bewegung) kann diese Schichten weniger elastisch machen, den Nerv komprimieren und eine nervale Ausstrahlung (Taubheit, kribbeln) verursachen.
Auch knöcherne Blockaden, oft Blockaden der Wirbelsäule, können Ausstrahlung in entfernte Gebiete (Hände, Füße, Kopf) verursachen.
Es gibt physiologische Engpässe von Nerven, die aufgrund von Fehlstatik des Körpers eine Ausstrahlung verursachen können. Meine Aufgabe als ihr Therapeut ist es, diese Engpässe zu kennen und eine nervale Reizung diagnostizieren zu können.

Eine 72-jährige Frau kam zu mir in die Praxis mit einseitigem Kribbeln Ihrer Hand.

Auf meine Nachfrage hin stellte sich heraus, dass ihre rechte Hand konstant daumenseitig kribbelte, seitdem Sie vor 2 Monaten bei der Gartenarbeit kräftig an einer Wurzel gezogen hatte.

Bei meiner Untersuchung stellte ich fest, dass ihr Schlüsselbein in seiner Rotationsbewegung stark eingeschränkt war, endgradige Armbewegungen Schmerzen verursachten und das Kribbeln in der Hand verstärkten. Die erste Rippe hatte einen Hochstand.

Mit osteopathischen Techniken korrigierte ich die gefundenen Blockaden. Am Ende der Behandlung konnte die Dame ihren Arm beinahe schmerzfrei bewegen. Als Eigenübung gab ich ihr Schultermobilisierungen und Dehnungen mit.

Eine Woche später erhielt ich ihre Rückmeldung. Sie war mittlerweile schmerzfrei, nachdem es nach der Behandlung ca 3 Tage lang ein Gefühl von Muskelkater im Schultergürtelbereich gab. Ein typischer Anpassungsprozess während der Heilungsphase. Das Kribbeln im Daumen hatte sich in den Tagen darauf gelegt.

Was war passiert?
Die ruckartige Bewegung während der Gartenarbeit blockierte ihr Schlüsselbein, welches einen Nervenstrang des Plexus Brachialis auf Ihrer ersten Rippe komprimierte. Daher das kribbelnde Gefühl im Daumen.

Achtung:

Es ist wichtig zu erwähnen, dass nicht jedes Kribbeln in der Hand auf eine Blockade zurückzuführen ist, die ich behandeln kann. Es gibt sogenannte Red Flags in der Befundung, also Anzeichen dafür, dass Kribbeln z.B. Symptom eines Bandscheibenvorfalls sein kann. Im Rahmen meiner Sorgfaltspflicht überprüfe ich die Symptome natürlich dahingehend und schließe diese Notfälle aus.